Sonntag, 3. Mai 2020

Entdeckungstour zum Märchenschloss der "Schwarzen Venus"

Keine Übertreibung: 1001 Burgen und Schlösser im Dordogne-Tal


Von Flaujagues nach 24250 Castelnaud-la-Chapelle, 24220 Beynac-et-Cazenac und 24220 Vézac: zusammen 110 Kilometer, eine Stunde und 50 Minuten
Was haben der legendenumwobene englische König Richard Löwenherz und die aus den USA stammende Burlesque-Tänzerin Josephine Baker mit Bananenröckchen gemeinsam? Die Sprache ist es nicht; Löwenherz sprach kein Wort Englisch. Doch den beiden gehörten zwei der schönsten Burgen an der Dordogne. Bei Ersterem war es ausgangs des 12. Jahrhunderts die Burg Beynac. Unweit davon gehörte das Château Les Milandes bis 1969 der schlagzeilenträchtigen Josephine. Das Prädikat „Schönste Burg“ ist im Dordogne-Tal nicht leicht zu verdienen: Hier finden sich heute noch über 1000 Wehrbauten aus rund 1000 Jahren. Da Reisen zu diesen Pracht-, Macht- und Kriegsbauten momentan schwierig sind, laden die „Secrets of Dordogne“ zu einer virtuellen Reise an drei Orte ein. 

Das französische Wikipedia listet für die Dordogne im Périgord 619 befestigte Chateaus – Schlösser, Burgen und Wehrtürme (Donjon) – sowie 382 befestigte Kastelle, Kartausen und hochgerüstete Herrenhäuser auf (zur Liste). 42 Burgen laden zu öffentlichen Rundgängen ein. Mehrheitlich sind diese Bauwerke in privatem Besitz. Die besterhaltenen Chateaus gelten bei reichen Amerikanern, Engländern und Chinesen unverändert als Statussymbol und Geldanlage.

Château Les Milandes – Anfang und Ende eines Traums

Baker Banana
Josephine Baker in Bananenröckchen
aus der Folies-Bergère-Produktion
„Un Vent de Folie“ 1927.
Fotograf: Lucien Walery
Mit ihrer wachsenden Berühmtheit suchte Josephine Baker, die aus ärmlichsten Verhältnissen stammte, eine Bühne zur Selbstinszenierung und fand Schloss Les Milandes. 1938 mietete die gefeierte „Schwarze Venus“ zunächst das 500 Jahre alte Schloss mit großer Parkanlage in Castelnaud-la-Chapelle. Sie hatte in Frankreich eine einträgliche Karriere mit Tanz und Gesang gestartet, die Staatsbürgerschaft erhalten und gut geheiratet. Im Krieg wurde sie zur Heldin, arbeitete für die Résistance, verbarg jüdische Flüchtlinge, beendete den Krieg als Leutnant der französischen Armee und kam in die Ehrenlegion.

1947 kaufte sie das über 20 Hektar große Schlossanwesen. Ein Scheinparadies entstand, eine Art Jo-Baker-Erlebnispark mit Wachsfiguren-Kabinett, Jet-Set-Partys, Luxushotel. 300.000 Besucher soll der Park mit Jo-Baker-Showbühne pro Saison angelockt haben. 120 Angestellte hielten die Schöne-Schein-Welt am Laufen, bis die Ausgaben die Einnahmen auffraßen. 

Afhalen van Josephine Baker in Frankrijk Josephine in haar tuin Les Milandes, Bestanddeelnr 912-6479
Josephine Baker 1961 auf Schloss  Les
Milandes. Foto: Jack de Nijs/Anefo/CC0
Ab 1954 adoptierte die Baker mit päpstlichem Segen zwölf Kinder – 10 Jungen und zwei Mädchen – aus allen Teilen der Welt. Der „Rainbow tribe“, wie sie ihre Familie nannte, sollte zeigen, dass alle Rassen und Religionen friedlich zusammenleben können. Darüber zerbrach ihre vierte Ehe, mit katastrophalen wirtschaftlichen Folgen. Anfang der 1960er Jahre drohte erstmals die Zwangsversteigerung. Eine von Brigitte Bardot initiierte Hilfsaktion verzögerte den Niedergang nur. 1969 wurde das Schloss zwangsverkauft, Josephine Baker und ihre Familie mussten gehen. 

Das Chateau wechselte danach mehrmals die Besitzer, erfuhr viele Veränderungen. Heute gehört es Angelique de Saint-Exupéry, einer Großnichte von Antoine de Saint-Exupéry, Autor des Buchs „Der kleine Prinz“. Sie gewährt einen kleinen Einblick in Bakers ehemalige Welt – so in ihr berühmtes Badezimmer – und hat im Schloss ein kleines Museum eingerichtet. Dafür hat die Besitzerin sogar das legendäre Bananenröckchen erworben.

An der Burg Beynac hing ein Löwenherz

Chateau Beynac zählt zu den besterhaltenen Burgen Frankreichs. Es thront majestätisch 150 Meter über der Dordogne beim Ort Beynac-et-Cazenac. Entstanden ist der Bau Ende des 12. Jahrhunderts.

Richard Leon
Richard Löwenherz auf
seinem Thron, in den
Händen ein Schwert und
einen Schild mit seinem
persönlichen Löwen-
wappen haltend, das
später zum Wappen
Englands wurde. Zeitge-
nössische Buchmalerei,
British Library, London.
Kaum fertig bemächtigte sich 1194 der 37-jährige englische König Richard Löwenherz in seiner Eigenschaft als Herzog von Aquitanien der Burg. Diese „Doppelfunktion“ ergab sich, weil seine Mutter Eleonore von Aquitanien den englischen König Heinrich II. geheiratet hatte. Damit gerieten große Teile des heutigen Westfrankreichs automatisch in englischen Besitz. Obwohl in Oxford geboren, wuchs Richard unter der Obhut seiner Mutter in ihrer alten Heimat auf. Seine Muttersprache wurde Okzitanisch, eine noch heute gesprochene romanische Sprache, und er lernte Nordfranzösisch, aber kein Englisch. Wozu auch, denn in seinem zehnjährigen Königtum hielt sich Richard – wie britische Historiker errechneten – höchstens sechs Monate in England auf. Er ging auf Kreuzzug, eroberte Zypern, schlug Schlachten im „Heiligen Land“, raufte mit europäischen Adelshäusern und sicherte den Familieneinfluss in Frankreich. Richard wurde 1199 in einem Streit tödlich verwundet; die Burg Beynac blieb Jahrhunderte Zankapfel zwischen Engländern und Franzosen.

Im Zug der Französischen Revolution blieb das Chateau ab 1798 unbewohnt, bis es 1961 sein heutiger Besitzer erwarb. 1999 diente die Burg als imposante Kulisse für die Verfilmung der Geschichte der Johanna von Orléans durch den französischen Filmregisseur Luc Besson. 


Schloss Marqueyssac und seine hängenden Gärten

Hier ist nicht das Schloss aus dem 17. Jahrhundert das Highlight, sondern seine einmaligen Gärten. In Vézac sind es die von Hand fantasievoll in geometrische und sphärische Formen geschnittenen 150.000 Buchsbaum-Pflanzen. Sie sind älter als 100 Jahre. Geschwungene Wege steigern das sinnliche und besinnliche Vergnügen eines Spaziergangs im Grünen auf 22 Hektar Fläche. Stattliche Bäume wie Mittelmeer-Zypressen und Pinien sorgen für erholsamen Schatten. 

Weil sich all das 130 Meter über dem Fluss abspielt, erhielten die Gärten den Beinamen „Die hängende Gärten von Marqueyssac“. Diesen Vergleich verträgt die liebevoll gepflegte Anlage mit den Hängenden Gärten der Semiramis in Babylon, eines der Sieben Weltwunder. Die Franzosen bezeichnen einen Besuch auf Marqueyssac als „incontournable“, die Engländer „must have seen“, die Deutschen sind noch knackiger: ein „Muss“. 



Route:

Samstag, 25. April 2020

Bergerac – Juwel an der Dordogne und Stadt mit Phantom

Von Flaujagues bis 24100 Bergerac: 45 Kilometer, 50 min


Bergerac an der Dordogne ist ein liebenswertes Städtchen – mit Phantom. Das Phantom heißt Cyrano de Bergerac, ein Gelegenheitshaudegen und scharfzüngiger Autor mit Fantasienamen aus Paris des 17. Jahrhunderts. Er war nie in Bergerac noch je in seiner Nähe. Nicht einmal sein Name stimmt. Trotzdem taugt Hector Savinien de Cyrano (1619 – 1655), so hieß er in frühen Jahren, glänzend als Maskottchen für den 27.000-Einwohner-Ort. Dort ist er zwischen Fachwerkhäusern, schmalen Gassen und lauschigen Gaststätten allgegenwärtig. Doch etwas Weibliches fehlt. Eine Prominente mit großer Stimme käme in Frage.

Ein Theaterstück löst Hype aus

Begonnen hat der Hype mit dem Theaterautor Edmond Rostand, der 1897 den Cyrano-Stoff ausgrub und als heroisch überhöhte Volkskomödie in Versform auf die Bühne brachte. Die Geschichte fand viel Gefallen im eigenen Land und über die Grenzen Frankreichs hinaus: Das knollennasige Großmaul findet nicht den Mut, der Angebeteten seine Liebe zu gestehen. Stattdessen verfasst er einem nicht zu hellen Freund die geistreichen Briefe, mit denen der dieselbe Frau mit Erfolg umschwärmt. Diese Story ist bis heute Frankreichs meistgespieltes Theaterstück. 1990 schlüpfte Gérard Depardieu in die Filmrolle des Cyrano … und es gibt noch Musical, Oper, Ballett und wer weiß noch was.
Rostand hatte die richtige Nase für einen Welthit. Der echte Cyrano haperte mit seinem Zinken sein Leben lang. „Den Traum, geliebt zu sein, verbot mir diese Nase“, sagt der Held im Originaltext. So viel Selbstmitleid steht im krassen Gegensatz zu Cyranos forschem Auftritt, wenn er im Stück erstmals auf die Bühne poltert: „Jetzt reicht’s mir aber!“ brüllt er da, erklimmt einen Stuhl, verschränkt herausfordernd die Arme, stülpt die Hutkrempe provokant auf und zeigt mit seinem struppigen Schnurrbart, dass er auf Krawall gebürstet ist.

Sind zwei Statuen zu Cyrano eine zu viel?

Diese Pose, die dem unangepassten Leben des wahren Cyrano am nächsten kommt, nimmt keine der beiden Statuen des Cyrano im Zentrum von Bergerac ein. Die erste, die steinerne steht seit den 1970er Jahren auf dem lauschigen Place de la Mirpe und stellt das Stadtmaskottchen in Mantel- und Degenmanier als einen übergewichtigen d’Artagnon dar. Man könnte leise Ironie vermuten. Doch die zweite auf dem nahen Place de Pélissière ist jüngeren Datums: Sie ist in kolorierter Bronze gearbeitet, kitschig und überromantisch, dass ein Augenzwinkern ausscheidet. Gemeinsam haben sie nur die große Nase, himmelwärts gereckt.

Die Stadt ist weiblicher als zu erkennen ist

Bergerac hat ein weibliches Pendant als zweite Statue verdient. Die Stadt trägt seit 2013 den begehrten Titel „ville d'art et d'histoire“, Stadt der Kunst und der Geschichte. Diese Ehrung haben bisher 123 Orte im Land erhalten. Bergerac ist eine ausgezeichnete Wahl. Hier bahnten sich echte Künstlerkarrieren an. Die bekannteste Vertreterin ist die Chansonsängerin und Schauspielerin Juliette Gréco. Die 2020 im Alter von 93 Jahren verstorbene Künstlerin verschlug es Ende der 1930er Jahre als Schulkind nach Bergerac. Verlassen von der Mutter, die sich dem französischen Widerstand (Résistance) gegen die Nazibesetzung anschloss, musste sich das Mädchen mit seiner Schwester allein durchschlagen. Juliettes Französisch-Lehrerin nahm sich ihrer an. Ein Glücksfall, denn die in Bergerac geborene Hélène Duc, infizierte sie mit ihrem Traum von einer Bühnenkarriere. Noch vor Kriegsende stieß Duc, die später als landesweit gefeierte Schauspielerin zum Offizier der Ehrenlegion geschlagen wurde, der Gréco in Paris die Tore zur Theaterwelt auf.

Juliette Gréco hat Dordogne-Luft geschnuppert

Juliette Gréco (29-03-1966)
Juliette Gréco am 29. März 1966 im Flughafen von
Amsterdam. Foto: Ron Kroon/Anefo/CC0
Eine spontane Gesangseinlage der Gréco auf einem Tisch der 1946 eröffneten Künstlerkneipe „Le Tabou“ legte den Grundstein für eine Turbo-Karriere. Bekannte Dichter und Komponisten rissen sich um das noch unbekannte 20-jährige Talent. Unter den Tabou-Stammgästen war der Schriftsteller und Philosoph Jean-Paul Sartre, der Juliette zu seiner Muse erkor und der viel für sie textete. Das junge Ding zog dort auch Orson Wells, Marlene Dietrich, Albert Camus in seinen Bann... 1947 schaffte es die als rebellisch und links geltende Gréco erstmals auf eine Titelseite – ohne je auf einer größeren Bühne gestanden zu haben. Das folgte erst 1949. Ab 1950 ging sie auf Chanson-Tourneen.
1949 gab es noch eine bemerkenswerte Begegnung: Die Gréco begegnete in Paris dem aufstrebenden Jazz-Trompeter Miles Davis aus den USA. Sie erlebte, was Cyrano verwehrt blieb. Zwischen der weißen Juliette und dem schwarzen Miles funkte es gewaltig, dass sich für die damals schon Jazz-verrückten Franzosen eines der ersten Traum-Paare gefunden zu haben schien. Bei der USA-Tournee der Gréco 1952 mit der Revue „April in Paris“ schlug das Hochgefühl in Herbststimmung um. In New York erlebte sie Rassenhass unmittelbar. Ein gemeinsames Leben von Sängerin und Trompeter wurde unmöglich – ihre Freundschaft hielt ewig.
Ob die Gréco zu den Ideengebern für ein jährliches Jazz-Festival in Bergerac gehört, ist eher unwahrscheinlich. Die 17. Auflage des „Jazz pourpre en Périgord“ (Purpur-Jazz im Périgord) vom 30. April bis 30. Mai wurde wegen Covid-19 auf 2021 verschoben. Das Jahresmotto „Jazz en Chais“ (Jazz in Weinkellern) bleibt.

Phantom und Chansonette: Zwei für die Freiheit

Cyrano und Gréco? Beide verbindet mehr, als sie trennt. Die Gréco singt als Linke das Lied der Freiheit. In einem ihrer Chanson heißt es „Sing für die Freiheit, Kind, hinter den Mauern sind Menschen, die brauchen dein Lied“. Das ist ihr Credo. Cyrano, der gut 400 Jahre alte Querdenker, hatte nichts anderes im Sinn. Er lebte als Freigeist und schrieb Gesellschaftssatiren im Gewand einer frühen Science-Fiction. Seine Lebensphilosophie packte er in den literarischen Appell „Songez à librement vivre! – Seid bedacht, frei zu leben!“ Alles kein Kitsch und reif für zwei Denkmale – Cyrano und Juliette.(Text und 4 Fotos: kuhrhaus)

Samstag, 18. April 2020

Südwestfrankreich stellt die Zeichen auf Optimismus

Sommermärchen: Spektakuläre Events rund um Flaujagues

Covid zieht sich in Südwestfrankreich allmählich zurück, die strengen Einschränkungen im öffentlichen Leben sind passé. Allerdings braucht jeder für die Teilnahme an Großveranstaltungen sowie Bar- und Restaurantbesuche seit 28. Juli einen Gesundheitspass, was exakt dem Nachweis über die zweifache Anti-Covid-Impfung entspricht. Vereine in der südwestfranzösischen Gironde bestärkt das in ihrem Tun: Sie bereiten sich auf zwei Großereignisse ab Mitte Juli vor. Es handelt sich um ein Freiluft-Schauspiel über einen militärischen Befreiungsschlag im Spätmittelalter und ein entscheidendes Zeitfahren bei der Tour de France 2021. Die Organisatoren des skurrilen, weil teils karnevalesken Marathon durch das Weinanbaugebiet des Médoc haben ihre Veranstaltung erneut verschoben: auf den 10. September 2022.

Entscheidungsschlacht im Hundertjährigen Krieg - ein Remake

In Castillon-la-Bataille – einen Katzensprung von Flaujagues entfernt – rüsten sich 500 Freiwillige eines Traditionsvereins, darunter 40 Ritter zu Pferde, auf den erneuten „Waffengang“ aus Anlass der Wiederkehr der Entscheidungsschlacht im 100-jährigen Krieg vor. Das Remake der „Schlacht von Castillon 1453“ war vor einem Jahr abgesagt und verschoben worden.

Der Verein hat jüngst 15 Termine für das Spektakel zwischen von 16. Juli bis 21. August veröffentlicht. In den Abendstunden wird in 90 Minuten auf historischem Grund mit Schwertgerassel, Hufgeklapper und Pulverdampf erneut der große Sieg der Franzosen über die englischen Besatzer erstritten. Mehr dazu in diesem Blog.

Bevor die Schwerter gekreuzt werden, kreuzen die Vereinsmitglieder zunächst die Finger, dass ihnen Covid-19 nicht einen zweiten Strich durch die Rechnung macht, erklärte Vereinschef Philippe Cousinet kürzlich. Das von Sponsoren und den Einnahmen der Zuschauer finanzierte Fest braucht frische Einnahmen, um die anspruchsvollen Kostüme und Rüstungen sowie die moderne Ton-, Licht- und Pyrotechnik zu finanzieren.

Noch ein Jahr ohne Aufführungen könnten das Aus für Verein und Spektakel bedeuten, befürchtete Cousinet. In seiner bisher besten Saison zog das Ereignis 31.200 Schlachtenbummler an. Das war 2019. nun muss die geschätzte Hälfte reichen: Aus sanitären Gründen hat der Verein die zu den einzelnen Aufführungen zugelassene Besucherzahl auf 1000 halbiert. Obligatorisch zur Eintrittskarte ist entweder ein vollständiger Impfnachweis oder ein negativer PCR-Test, der nicht älter als 48 Stunden sein darf.

Termine:

Juli :                      16., 17., 23., 24., 30.,31.

August :               05., 06., 07., 12., 13., 14., 19., 20., 21.

Buchungsmöglichkeiten bestehen auf der Homepage des Vereins, die den Service auch in Englisch anbietet. Einen Vorgeschmack gibt es hier:

 

Tour der Pedalritter kommt nach Libourne

Eine andere Art von Rittern – die Pedalritter der 108. Tour de France – kommt just am 16. Juli in der Kreisstadt Libourne an. 30 Kilometer von Flaujagues endet eine Etappe des berühmten Straßenrennens. Und ebenda startet am Folgetag ein gut 30 Kilometer langes Zeitfahren durch die Weinberge mit Zielankunft in der heimlichen Weinhauptstadt Saint Émilion. Es ist die vorletzte Tour-Etappe, bevor die Pedalritter auf dem Champs-Élysées in Paris den Gesamtsieger feiern. Kenner der Tour erwarten, dass ähnlich wie 2020 im Kampf gegen die Uhr die Entscheidung über den Tour-Triumph fällt. Mehr gibt es in diesem Blog-Beitrag.

Die Städte Libourne und Saint Émilion haben ihre Vorbereitungen weit vorangetrieben. Verkehrskonzepte über die beiden Tour-Tage mit vielen Straßensperrungen machen es den Fans des Radsports nicht leicht, einen Platz an der Piste zu ergattern.

Auch 2021 kein Karneval-Marathon im Weingebiet

Keine leichte Entscheidung. Lange haben die Organisatoren des international stark nachgefragten Médoc-Marathons gezögert, doch nun haben sie erneut entschieden, das weinselige Sportevent ein zweites Mal aufgrund von Covid-19 zu verschieben. Der nunmehr dritte Run auf die stets auf 8000 Startplätze limitierten Lauf findet aller Wahrscheinlichkeit nun im Februar/März 2022 nach dem gefürchteten Windhund-Prinzip - wer zuerst kommt, mahlt zuerst - statt.

Der Starttermin wurde verlegt, das Motto bleibt: Der Médoc-Marathon macht auf großes Kino, lautet es. Und filmreif ist die Situation allemal. (Homepage). Auch hier ist großes Theater zu erwarten – so oder so. (Text: kuhrhaus)

Montag, 16. März 2020

Gewusst wie: Frankreich muss nicht teuer sein (2)

Supermärkte - und dort als Sahnehäubchen die Hypermarchés - sind die Spitze der fünfstufigen Versorgungspyramide in Frankreich. Nach dieser Oberliga kommen Discounter, Landwarenhäuser, Tante-Emma-Läden, fliegende Händler, womit Stadt und Land bei Laune gehalten werden. Dabei gibt es in Frankreichs ländlichen Gegenden ein dichteres Netz an größeren Einkaufsstätten. Die Umgebung von Flaujagues mit dem Kuhrhaus stellt ein gutes Beispiel dar. Freundlich für den Geldbeutel sind die angeschlossenen Tankstellen mit großen Preisunterschieden zu Markentankstellen.

Die ganz Großen - die Hypermarchés

Im Umkreis vom Kuhrhaus in acht bis 23 Kilometern gibt es zwei Hypermarchés in Pineuilh (20 km) und Libourne (23 km).
Der mit Abstand bestsortierte Hypermarché (sprich: ipermarschee) gehört zur E.Leclerc-Kette und liegt an der Avenue de la Résistance in 33220 Grand Pineuilh. Er ist ein großzügig angelegtes Handelszentrum (Vollsortiment) mit zahlreichen Ladengeschäften in und an diesem Einkaufstempel. Es hat eine riesige überdachte Parkfläche (hervorragend im Sommer). Das Ausmaß der Einrichtung überrascht, weil der Ort und die Nachbarstadt zusammen nur rund 7000 Einwohner haben; in den Dörfern im Umfeld wohnen etwa 15.000.
Bemerkenswert ist die Lebensmittelabteilung in diesem Hypermarché, der zudem ein großes Angebot an Textilien, Kosmetik, Haushaltwaren und -geräten sowie Schmuck, Büchern und Tonträgern vorhält. Einen Blick ins Innere des Hauses gibts hier. Große Abteilungen für Backwaren und Torten aus der hauseigenen Bäckerei, für Obst und Gemüse mit Schwerpunkten auf französischen und regionalen Produkten, für Fisch und Meerestiere, für Käse und Milchprodukte und für Wein. Den Vogel schießt die Fleischwaren-Abteilung mit eigener Fleischerei in der Größe einer Discounterfiliale ab. Sie hat nach Fleischsorten und Tierrassen sortierte Kühlkolonnen, eine Theke für Frischfleisch und eine große Theke für Schinken, Würste, feine französische Pasteten sowie Dutzende Fertiggerichte.
Der zweite Hypermarché gehört zur Carrefour-Gruppe und befindet sich in 23 Kilometer Entfernung direkt am Ortseingang von 33500 Libourne, ein Ort mit knapp 25.000 Einwohnern. Einblicke gibt es hier. Er ist in die Jahre gekommen und kleiner, hat dafür mehr eingemietete Geschäfte. Das Angebot wirkt schmaler und die Präsentation beengt.

Eine Nummer kleiner - der Supermarché

Einen E.Leclerc-Supermarché beherbergt Castillon-la-Bataille. Er liegt am Chemin de Perrin im Ortsteil 33350 Saint-Magne-de-Castillon (9 km). Da in 1000 Meter Entfernung eine Lidl-Filiale existiert, sind Alltagseinkäufe auf kurzen Wegen gut zu koordinieren. Der Supermarkt ist etwas kleiner wie ein Hypermarché und entspricht deutschen Erwartungen, er hat ein breites Angebot auch im Nonfood-Bereich, bäckt seine eigenes Baguettes und hat ein gutes Fleisch- und Fischangebot. Hier ein Einblick.

Genialer Mix - die Supermarkt-Discounter

Alle anderen Märkte wie Intermarché und Super U (sprich: süper ü) sind ein Mix aus Supermarkt und Discounter. Deswegen nicht schlecht, weil man sich schneller durch ein überschaubares Angebot als durch ambitionierte 1001 Produkte ähnlicher Marken kämpft.
Einen Intermarché gibt es in Sainte-Foy-La-Grande (19 km). An einem Kreisverkehr der Avenue de Mézières in 33220 Port-Sainte-Foy-et-Ponchapt liegt das kleine Einkaufszentrum, das gut zu erreichen ist. Hier gibt es einen Einblick ins Innere.
Der Intermarché von 33350 Castillon-la-Bataille (8 km) liegt direkt im Zentrum an der Avenue Jules Ferry. Hier gibt es einen Einblick.
Zu dieser Markt-Klasse gehört die Kette „Super U“. Er liegt an der Avenue du Marechal Juin in 33220 Grand Pineuilh (das „Grand“ spielt umgangssprachlich keine Rolle). Ein Blick ins Innere.

Es lebt wieder - das Landwarenhaus

Die Carrefour-Gruppe unterhält Landwarenhäuser unter der Marke „Contact“. In Les Réaux (10 km), ein Ortsteil von 24230 Vélines, ist eins davon zu finden.

Hungrige Sparschweine - die Tankstellen

Alle genannten Hypermärkte, Supermärkte und Supermarkt-Discounter haben eigene, preiswerte Tankstellen, Autowäschen und Staubsauger. Diese Service-Stationen sind freien oder Marken-Tankstellen vorzuziehen. Die Preisdifferenz pro Liter kann bei 30 Cent und mehr liegen. Die Nase bei den Tiefpreisen vorn haben die Service-Stationen der E.Leclerc-Kette. Ein Hit ist die bürstenlose Autowaschanlage beim „Contact“-Landwarenhaus. (kuhrhaus)