Samstag, 1. Februar 2020

Covid-19: Medoc-Marathon läuft erst 2021 wieder

Von Flaujagues nach 33250 Pauillac : 100 km, 90 min.


Offizielles Plakat mit der
Notiz über die Verschiebung
in den September 2021
Der skurriste Laufevent Frankreichs fällt 2020 ebenfalls der Corona-Krise zum Opfer. Die Landesregierung hat Großveranstaltungen wie dem Medoc-Marathon für dieses Jahr eine Absage erteilt. Doch Landstreckenläufer haben einen langen Atem, den die Organisatoren des 42-Kilometer-Maskenballs postwendend unter Beweis stellen: Den 36. Lauf haben sie auf 11. September 2021 verschoben. "Diese Epidemie wird unsere Begeisterung und unsere 'Verrücktheit' nicht untergraben", heißt es aktuell auf ihrer Website. "Im Gegenteil, zählen Sie auf uns!" Der unter jährlich wechselnden Themen stattfindende Lauf behält sein 2020er Motto und läuft im kommenden Jahr unter „Der Medoc-Marathon macht auf großes Kino - 2. Versuch“.

Alles schien in Sack und Tüten zu sein

Schräg, schräger, Medoc-Marathon. Zum 36. Mal wollte die wohl humorvollste Marathon-Elite Anfang September ins französische Pauillac nahe Bordeaux zu einem Härtetest für Lauf- und Lachmuskeln strömen. Am 12. September sollte es kostümiert - so das Reglement - über einen Parcours vorbei an Dutzenden Weltklasse-Weingütern gehen, mit Schirm, Charme und Weinbecher. Rund 20 Probiertheken für feinsten Rebensaft sowie etwa 50 Animations- und Verpflegungspunkte mit Gourmet-Häppchen und Musik machen die gut 42 Kilometer zu einem schwindelerregenden Gefühlsslalom. Nicht umsonst hat dieser spezielle Marathon viele Beinamen – liebevolle wie „Läufer-Karneval“, gehässige wie „Laufen und Saufen“ und humorvolle wie „Promille-Marathon“.

Teilnehmerliste 2020 war ausgeschöpft

Der 1985 ins Leben gerufene Marathon ist mehr als ein nationales Event und genießt in der Laufszene hohes Ansehen. Doch vor die Ehe von hartem Sport und leichtem Leben hat Weingott Bacchus das Glück des Tüchtigen gesetzt. Anmelden und damit eine Startnummer ergattern kann man sich immer erst ab Anfang März. Glück ist vonnöten, denn die Anzahl der Starter bleibt auf 8500 begrenzt und die Anzahl der Bewerber steigt von Jahr zu Jahr: 2019 waren es über 16.000. Für dieses Jahr waren es noch mehr; alle Hoffnungen konzentrieren sich auf die Warteliste, in die man sich noch eintragen kann. Vergeben werden die Starterlaubnisse nach dem Windhundprinzip: Wer die Nase vorn hat, kann starten. Dazu ist ein aktuelles Gesundheitszeugnis vorzulegen. Die Startgebühr betrug aktuell: 90 Euro. Sie wird, so der Veranstalter, auf Wunsch zurückerstettet. Nähere Informationen gibt die Homepage des Medoc-Marathon-Vereins.

Im Pulk mit Darth Vader und Obelix

Der Medoc-Marathon gibt sich jedes Jahr ein Motto für die „Kleiderordnung“. Aktuell lautet es frei übersetzt „Der Medoc-Marathon macht auf großes Kino“. Etwa 90 Prozent der Läufer verkleiden sich, so dass der Wettbewerb auch ein Fest der Fantasie ist: Darth Vader und Skywalker, Superman und Superwoman, Asterix und Obelix, Winnie Puuh, Clowns, Königinnen, Wikinger, Dinos, ja selbst Quietschenten  … sie und viele, viele andere Gestalten finden sich im Pulk der Läufer. Ihn verfolgen mehr als 50.000 Schaulustige.

Der „Besen-Trupp“ greift durch

Obwohl die kulinarischen Ablenkungen – es werden Käse, Austern, Steaks, Trauben, Eis und mehr angeboten - reichlich und verführerisch sind, sind doch die Leistungen beachtlich. Vergangenes Jahr beendeten von 8500 Startern 8127 den Marathon. 9.30 Uhr ist auch dieses Jahr Start, für die ganze Distanz haben die Läufer maximal 6:30 Stunden Zeit. Wer also nach 16 Uhr die Ziellinie überquert, geht ohne Urkunde und Weinflasche nach Hause. Getrieben wird das Teilnehmerfeld vom „Besen-Trupp“, der die Mindestgeschwindigkeit vorgibt. Wer schon zur halben Strecke hinter ihm liegt, wird gnadenlos disqualifiziert.

Eigengewicht in Wein für Sieger

Für die zwei Schnellsten - Frau und Mann - winken als Siegprämie Spitzenweine, die mit dem eigenen Körpergewicht aufgewogen werden. 2019 waren es die Franzosen Freddy Guimard  (2:26:39) und Nathalie Vasseur (2:58:34); letztere gewann den Lauf zum 15. Mal. Den Streckenrekord hält seit 1992 der Russe Sascha Lotow: 2:19:20. Ob da unterwegs noch Zeit für einen Schluck Wein war? Wer weiß. (kuhrhaus)


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