Mittwoch, 5. August 2020

Halbinsel Cap Ferret – Goldstück an der Silberküste

Von Flaujagues bis Cap-Ferret 115 km, 1:45 Stunde

Bis an die äußerste Spitze der Landzunge: 132 Kilometer, 2 Stunden

Die Côte d’Argent – die Silberküste am Atlantik hinter Bordeaux bis weit in den Süden – schmücken manche Edelsteine. Einer der schönsten ist das alte Fischerdorf Cap Ferret. Der kleine Ort auf einer langgestreckten Landzunge oberhalb des Beckens von Arcachon ist für Tagesausflüge ein ideales Ziel. Selbst wer regelmäßig hier „anlegt“, merkt, es wird nie langweilig: Cap Ferret ist immer gleich und immer anders. Hier gibt es sie noch, die romantischen Ecken, den 60 Meter hohen Leuchtturm mit Aussichtsplattform, Geschäfte und Cafés und es gibt die urwüchsige Natur.

Die raue See des Atlantiks im Golf von Biskaya arbeitet unablässig an diesem Flecken Erde, als wenn sich das Meer noch nicht über die endgültige Gestalt der Halbinsel schlüssig wäre. Die Dünenlandschaft, die erst vor 3000 Jahren entstand, schiebt sich zwischen Ozean und das malerische Becken von Arcachon. Meer und Wind halten den Sand in Bewegung – sie spülen ihn trotz Wellenbrecher an oder – wie jüngst – tragen sie ihn bis an die Uferböschungen ab. Garniert wird das neue Landschaftsdesign mit dem Treibgut aller Zeiten. Etwas Besonderes ist der Sand: Er ist durchsetzt mit feinsten Partikeln pulverisierter Perlmuttmuscheln, was den Strand in der Abendsonne silbern schimmern lässt und für den Namen Côte d’Argent sorgte. Am Ufer vis-à-vis vom Cap türmt sich aus diesem „Stoff“ Europas höchste Wanderdüne auf. Die „Dune de Pilat“ erreicht eine Höhe von bis zu 110 Meter und ist mehrere Kilometer lang.

Cap Ferret ist der perfekte Ort zum Entspannen: Seele baumeln lassen, baden, wandern am schier endlosen Strand, angeln oder Angler beobachten, surfen oder Surfern zuschauen, Muscheln und Schwemmholz sammeln – am liebsten fantasievoll verformte Weinrebstöcke – sowie schlemmen in vielen kleinen Strandrestaurationen bei frischen Austern, Meeresfrüchten und Wein.

Auf einem Strandabschnitt gen Norden finden sich viele ehemalige Bunker des alten Atlantikwalls der deutschen Wehrmacht. Meer, Wasser und Wind haben sie wie überdimensionale Bauklötze durcheinandergewürfelt. Zuletzt dienten die glatten Betonflächen Sprayern nur noch als Großprojektionsflächen. Die beiden Winter 2017/2018 und 2018/2019 versenkten das gros der Betonklötze, so dass mitunter nur noch ihre Dachflächen aus dem Ufersand ragen. Zu solchen Spaziergängen sollten immer eine paar Flaschen Wasser und eine starke Sonnenschutzcreme im Wanderrucksack sein.







Das Kontrastprogramm zum urigen Atlantik ist das ruhigere Becken von Arcachon. Es ist Naherholungszentrum für die Einwohner von Bordeaux. Die Autobahn in dieses Paradies ist deshalb mautfreit. Boote bieten Rundfahrten in der 155 Quadratkilometer großen Bucht – vorbei an einer großen Vogelinsel, ein geschütztes Eldorado für Wandervögel. Die Pfahlbauten sind nur noch Kulisse, früher boten sie Fischern Obdach. Vor gut 150 Jahren nahm die Muschelzucht einen enormen Aufschwung. Austernbänke tauchen bei jeder Ebbe aus dem Nass auf, um bei Flut erneut zu verschwinden.

Der Appetit kommt bei einer Strandwanderung in würziger Salzluft von ganz allein. Eine liebevoll-chaotische Erlebnisgastronomie hat sich im nahen Ortsteil L’Herbe etabliert. Sie ist in einem urigen Uferviertel in die Holzhütten der Austernfischer eingezogen. Die Gäste sitzen auf überdachten Terrassen an rustikalen Tischen. Sie können Badegästen und Fischern zuschauen und dabei Austern und andere Meeresfrüchte bei einem Glas gut gekühlten Weißwein verzehren.

Übrigens: Der Name Cap Ferret kommt aus der gaskognischen Sprache und bedeutet „eiserne Spitze“. Diese regionale Sprache gibt es bis heute. Einer ihrer berühmtesten Sprecher war der legendäre Musketier d’Artagnan. Der reale Haudegen stammte aus der Region Gascogne in Südwestfrankreich, wo sein väterliches Mini-Schloss Castelmore bis heute existiert. (Text und Fotos: kuhrhaus)



Donnerstag, 30. Juli 2020

Urlaub mit Maske – die andere Art von Ferien inkognito?

Die neue Maskenpflicht in Frankreich platzt mitten in die klassische Ferienzeit der Franzosen und trifft ausländische Urlauber genauso hart. Covid-19 ist nicht besiegt, auch nicht im Nachbarland. Jedoch sind dort die Ausbreitungswerte des Virus ähnlich niedrig wie in Deutschland. Frankreich steht deshalb – anders als Luxemburg – nicht auf der Liste deutscher Behörden von 130 Staaten, nach deren Besuch in der Heimat obligatorische Corona-Tests oder sogar eine 14-tägige Quarantäne drohen.

Maske tragen ist in Frankreich derzeit eine kleine Herausforderung. Momentan sind im Südwesten des Landes und damit in Flaujagues hochsommerliche Temperaturen bis zu 40 Grad Celsius angekündigt. Wohl dem, wo das Ferienhaus – wie unser Kuhrhaus – ein großes Grundstück mit schattigen Ecken hat.

Hier besteht Maskenpflicht

Für den Gang in die Öffentlichkeit kursiert eine Liste mit 16 Punkten, wo das Tragen einer Mund-Nasen-Maske verpflichtend ist. Die Regelung hat bisher kein Enddatum. Verstöße werden mit einem Bußgeld von 135 Euro pro Person und jeder Überschreitung geahndet. Vernunft schont zudem den eigenen Geldbeutel. Die Maskenpflicht gilt so für

  • Bars und Restaurants
  • Präsentations- und ähnliche Veranstaltungen sowie Versammlungen
  • Theater, Kinos und Spielhallen
  • Hotels und Pensionen
  • Behörden
  • Religiöse Veranstaltungen
  • Museen und Büchereien
  • Sportstätten sowie Freizeit- und Naherholungsparks
  • Überdachte Sportveranstaltungen
  • Überdachte Märkte
  • Busbahnhöfe, Fähr- und Flughäfen
  • Geschäfte, Einkaufszentren und Supermärkte
  • Festzelte und Outdoor-Veranstaltungen
  • Banken und Poststationen
  • Passagierboote, Bootshäuser und Docks
  • Berghütten und -restaurants.

Man kann sich über die Masken beschweren, sie beklagen – man kann sie aber auch akzeptieren als Accessoire in einer kritischen Zeit und mit ihr einen schönen Urlaub haben. Vielleicht als die verrückteste Art, einen Urlaub inkognito zu verbringen. Naja.

Die gute Nachricht ist, in Südwestfrankreich war und ist der Covid-19-Virus bisher kaum aufgetreten. In seinen Orten erwacht das Leben, in Flaujagues werden unter all diesen Bedingungen wieder Feste geplant und gefeiert. Und siehe da, es geht – mit etwas mehr Abstand als gewohnt. (Text und Foto: kuhrhaus)

Sonntag, 12. Juli 2020

Trinkgeld in Frankreich nicht mit der Gießkanne verteilen

Die Gaststätten laden wieder überall in Frankreich ein. Franzosen wie Urlaubern schmeckt es, der Service stimmt ... und spätestens nach dem Dessert peinigt den Deutschen plötzlich die Frage: Was ist mit Trinkgeld?

Foto: kuhrhaus

In Frankreich ist das Bedienpersonal nicht wie in Deutschland auf Trinkgelder angewiesen. Französische Kellner haben auskömmliche Löhne, bezahlten Urlaub und sind sozialversichert. Ein „pourboire“ ist in Frankreich noch Trinkgeld im Wortsinn, um auf das Wohl des Gebers zu trinken, während es in Deutschland zum Lebensunterhalt der Bedienung unerlässlich ist.

Natürlich ist und bleibt es nett, für guten Service ein paar Münzen zu hinterlassen. Das ist okay. Franzosen gehen damit zurückhaltend um, es ist als kleines Extra gedacht. Üblich ist, auf den nächsten Euro oder den übernächsten Euro aufzurunden. Schluss mit dem Reiseführer-Gelaber, man müsse zehn Prozent der Rechnungssumme löhnen. Purer Unsinn. Als Faustregel gilt: kein Trinkgeld bei Beträgen unter zwei Euro (für ein Tässchen Espresso) und nicht über 20 Euro, nicht im Sternerestaurant.

In Frankreich bleiben einheimische Gäste hart und geben kein Trinkgeld, wenn die Bedienung unfreundlich war. Trinkgeld verteilen Franzosen nicht mit der Gießkanne, sondern setzen es als Mittel ein, um das Serviceniveau zu heben oder hoch zu halten, aber nicht um es zu ruinieren.

Trinkgeld wird beim Bezahlen in Frankreich nie auf die Rechnung aufgeschlagen oder die Annahme von Wechselgeld mit den Worten „Stimmt so!“ abgelehnt. Das gilt allgemein als peinlich. Der Gast begleicht die exakte Rechnungssumme und lässt sein Trinkgeld in Form einiger weniger Münzen anschließend auf dem Tisch liegen.

Beim Friseur und für Fremdenführer sind Trinkgelder Tradition. In Hotels bekommen der Gepäckträger und der Room-Service (außer fürs Frühstück) einen kleinen Bonus. Für das Housekeeping lässt man ein paar Euro auf dem Kopfkissen zurück. Taxifahrer erhalten kaum mehr als einen Euro Trinkgeld, in der Regel wird durch leichtes Aufrunden das Herausgeben des Wechselgeldes erleichtert. (kuhrhaus)

Dienstag, 30. Juni 2020

Wie nennen sich die Bürger von Bordeaux, Paris und Lyon?

Ein Tipp für Quizfreunde, Neugierige und Sprachinteressierte

Stadt – Land – Name: Die Einwohner von Paris heißen auf Deutsch Pariser, die Franzosen sagen Parisien. Die Bürger von Bordeaux heißen, wie? Sie nennen sich Bordelais. Und die von Lyon? Die werden Lyonnais gerufen und nicht wie die Lyoner Wurst. Hat das ein System? Sicher, die Franzosen haben es damit nicht einfach. Zu viele verschiedene historische bedingte Spracheinflüsse spiegeln sich in Ortsnamen und den Bezeichnungen für ihre Bewohner wider. Dafür gibt es sogar eine Art "nationalen Spickzettel" im Internet.

In Deutschland ist diese Ansprache simpel – Dresdner, Hamburger, Münchner ober Berliner. Mit einem „er“ als Endung am Ortsnamen geben sich die Deutschen zufrieden. Nicht zu vergessen, Berliner ist auch Adjektiv – der Dialekt heißt salopp „Berliner Schnauze“, es gibt die Münchner Freiheit, den Hamburger Hafen oder die Dresdner Gemäldegalerie.

In Frankreich ist das eine Wissenschaft für sich. Nur ein Teil der Kommunen folgt dem Muster entweder ein "-ien", "-ais" oder "-ois" an den Ortsnamen anzuhängen - und fertig ist der Name für die Bewohner. Zum Beispiel Paris - Parisien, Marseille - Marseillais und Bergerac - Bergeracois. Aber wann welche Endung zum Einsatz kommt - schwierig. In meinem Ort Flaujagues an der Dordogne heißen die Bürger Flaujaguais. Daher der Name des Restaurants im Dorf „Le p’tit Flaujaguais“ („Der Knirps von Flaujagues“). Das ist leicht.

Was passiert, wenn Orte Heiligen- und Doppelnamen tragen. Zum Beispiel Sainte-Foy-La-Grande, der Ort, wo ich samstags gern zum Wochenmarkt fahre (hier geht’s zum Blogbeitrag). Hier nennen sich die Bewohner Foyens. In dieser Tradition heißt die Touristinformation für den Landstrich um Sainte-Foy-La-Grande „Office de tourisme du Pays Foyens“. Man muss es nicht aussprechen können, aber ein Besuch lohnt sich (hier) und in ihrem neuen Pavillon „Tourisme et Vin“ (hier).

Um Klarheit zu schaffen, hat sich eine Initiative gefunden, die im Internet die Namen von Orten und die Bezeichnungen ihrer Bewohner sammelt und zusammenführt. Wer wissen möchte, wie sich die Einwohner des künftigen Urlaubsortes in Frankreich nennen, schaut hier auf der Vereinsseite vorbei. Die Seite startet mit einer interaktiven Karte der französischen Departements. Nach einem Klick auf die passende Region findet sich eine Liste der bekanntesten Orte und die Namen für ihre Einwohner.

Gut 2100 Jahre alt ist Aix-en-Provence. Seine Bewohner nennen sich bis heute im alten Stil Acquae-Sextiens. Auslöser war der römische Heerführer Gaius Sextius Calvinus, der 123 v. Chr. die heutige Provence besetzte. Er ließ wenig später einen Festungswall um eine bekannte Thermalquelle bauen. Damit war die erste römische Stadt auf gallischem Boden gegründet: Sie erhielt den Namen „Colonia Aquae Sextiae Salluviorum“ (Sextius‘ Wasser). Der Begriff schliff sich auf Aquae Sextiae ab, was sich zum heutigen Aix verdichtete. Alternativ bezeichnen sich seine Bürger als Aixois.

Die Leute aus Périgueux, die Hauptstadt des Périgord, nennen sich Pétrocoriens. Diese Bezeichnung geht auf einen alten Gallierstamm zurück, der als „Vier Heerhaufen“-Clan bekannt wurde. Überliefert hat ihn der römische Eroberer Gaius Julius Cäsar – der literarische Widersacher von Asterix und Obelix. Cäsar eroberte ab 58 v. Chr. Gallien. Alternativ nennen sich die Bürger von Périgueux Périgourdins, was für alle Bewohner des Périgord zutrifft.

In Bordeaux wohnen die Bordelais. Dieser Name steht für ein Bündel von Begriffen: Bordelais für das größte zusammenhängende Anbaugebiet der Welt für Qualitätsweine, für die Sauce bordelais, den Dialekt in der „heimlichen Hauptstadt“ Frankreichs – und für eine Rinderrasse.

Und nun kommt die Eine-Million-Lachfalten-Frage im lustigen Namenraten: Wie heißt eine Einwohnerin im kleinen Ort Les Mayons nahe der Côte-Azur? Voilà, sie nennt sich Mayonnaise. Die Speise-Mayonnaise wurde dennoch nicht dort erfunden. Nomen est omen? Zum Glück nicht.