Geheimnisse entlang der Dordogne? Südwestfrankreich ist mehr als ein riesiges Weinbaugebiet an den Ufern der Dordogne. Der Fluss fließt durch ein Tal mit 1001 Burgen, durch das gastfreundliche Périgord bis ins moderne Bordeaux. Dieser reizvolle Mix ist Stoff für einzigartige Urlaubsreisen, für Ferien im Kuhrhaus in Flaujagues. Wir lüften Geheimtipps zu dieser Region in Frankreich und Wege zu ihrer Entdeckung im Auto, per pedes, Kanu oder Velo.
Von Flaujagues bis 33870 Port Saint Pardon/ Vayres: 39 Kilometer, 45 min
Etwa 100 Kilometer landein, also weit ab vom Meer, sorgt die Flut an der
französischen Atlantikküste für ein besonderes Surf-Ereignis. Stehen Mond, Wind
und Meeresspiegel günstig, verursachen die drei mit ihren Naturkräften einen
extra hohen Tidenhub und dadurch eine beachtliche Gezeitenwelle weit im Inland.
Das Schauspiel heißt französisch „mascaret“ und ist an gut 50 Tagen im Jahr
Magnet für Surfer aus nah und fern, die das Besondere suchen.
Erst in Port Saint Pardon, einem Ortsteil von Vayres nahe Bordeaux, bäumen
sich die Flutausläufer und das meerwärts strömende Wasser der Dordogne bis zu
1,40 Meter hohen Wellen auf, über etwa 3000 Meter reißen die brackigen Wellen
die Surfer mit sich und tragen sie mit einer Geschwindigkeit von bis zu 20
Stundenkilometern stromauf.
Ein Mascaret-Kalender zum Wellenreiten
Mascarets gibt es weltweit nur an gut 60 Stellen, weiß Wikipedia. In Frankreich
gilt Port Saint Pardon als Nonplusultra für dieses Phänomen. Die Gemeinde Vayres
pflegt deshalb online auch für 2025 extra einen Mascaret-Kalender. Er nennt Datum, Ereigniszeit
und einen Stärke-Koeffizienten. Je höher der Wert desto mächtiger die Welle.
Dann sind die meisten Surfer und Schaulustigen vor Ort und die Parkplätze
besonders knapp. die Corona-Regeln tun ihre Übriges. Eine Gezeitenwelle wird erst ab einem Wert von 85 als Mascaret
geführt. Höchstwerte bis zu 114 werden 2025 im März und Ende April sowie jeweils Mitte September und Oktober erreicht.
Wir waren schon mehrmals dabei. Der Kalender kündigte den Mascaret für
16.45 Uhr an. Die Wellen sind pünktlich, Abweichungen gibt es höchstens von ±
10 Minuten: Wie die Flut zweimal täglich auftritt, rollt auch ein Mascaret im
Doppel an einem Tag heran. Der Stärke-Wert für die „Nachmittagsshow“ lag bei
108. Olala, pas mal – nicht übel. Alles, was ein Surfbrett hat, paddelt emsig
der Welle entgegen, die pünktlich heranrauscht.
Pillepalle sind Gezeitenwellen nicht
Von einem Moment zum anderen verwandelt sich die spiegelnde
Wasseroberfläche der Dordogne in ein überdimensionales Waschbrett aus
Wellenbergen. Wer kann, surft mit. Lautstark empfängt der Pulk der Zuschauer die
Surfer. Pillepalle sei der Ritt nicht, erzählen selbst erfahrene Wellenreiter. Er
habe eigene Gesetze. Gefühlt jeder zweite der über 80 Surfer an diesem
Nachmittag verliert den Anschluss oder landet gleich im Wasser. C’est la vie.
Die Stimmung drückt das nicht, kurbelt aber das Fachsimpeln an.
Lust bekommen? Die Mascarets sind am größten bei den hohen Fluten im Spätsommer
und frühen Herbst. Zu dieser Zeit führt die Dordogne oft relativ wenig Wasser, was
Höhe und Wucht der Gezeitenwelle begünstigt. Und selbst an Vollmond-Surfen für
die „Hiboux“, die Nachteulen, ist gedacht. Im September feiert Port Saint
Pardon zudem die „Fête du mascaret“. (Kuhrhaus)
Etappenziele Libourne und Saint Émilion sind nahe Flaujagues
Entfernung von 33350 Flaujagues nach 33500 Libourne – 26 km und nach
33330 Saint-Émilion 19 km
Die Hoffnungen sind in Südwestfrankreich groß, dass im
kommenden Jahr die Tour de France pünktlich zum Sommerbeginn starten kann. Los
geht es am 26. Juni in Brest, der Lorbeerkranz für den Tour-Sieger wird am 18.
Juli in Paris übergeben. Dann haben die Fahrer 3383 Kilometer in den Beinen. Das
letzte Viertel der Strecke führt die 108. Auflage des Profi-Radrennens durch
den Südwesten – eingeschlossen ein Abstecher nach Andorra. Spannend ist: Die
entscheidenden Etappen vor dem Finale in Paris werden unmittelbar vor der
Haustür von Flaujagues ausgetragen.
Von den 21 Etappen führt die 19. Etappe am 16. Juli von Mourenx
quer durch die flache Gascogne nach Libourne vor den Toren von Bordeaux. Auf
der 203 Kilometer langen Strecke werden nach der Quälerei in
den Pyrenäen Ausreißversuche erwartet. Einen Tag später steigt die Spannung
weiter: Die vorletzte Etappe am 17. Juli ist ein Einzelzeitfahren über 31
Kilometer von Libourne nach Saint-Émilion. Bei der Tour 2020
wurde bei einer ähnlichen Konstellation der sicher geglaubte Toursieger noch
entthront.
Darauf verweist der Generaldirektor der Tour de France, Christian
Prud‘homme: Dieses Kleinod berühmter Weinberge werde die sportliche Leistung
verstärken, kommentierte er die Streckenführung. „Zeitfahren am Ende der Tour
haben die Angewohnheit, über die endgültige Vergabe des Gelben Trikots zu entschieden.“
20. Etappe: Fällt in Saint-Émilion die Vorentscheidung für den Tour-Sieg?
In Libourne und in Saint-Émilion sind der Jubel und die
Hoffnung ungebrochen groß. Elf Jahre hatte die Tour einen Bogen um die Gironde
gemacht. Libournes Stadtoberhaupt Philippe Buisson war überrascht, dass seine
Stadt mit 25.000 Einwohnern das über zehn Mal größere Bordeaux ausgestochen
hat. Dem hat das Tour-Management für 2022 eine Offerte in Aussicht gestellt. Alles
Zukunftsmusik.
Libourne plant ein ausgelassenes Volksfest, wenn es die Rahmenbedingungen
durch Corona zulassen. In Saint-Émilion, Hochburg der französischen
Bordeaux-Weine, hofft Bürgermeister Bernard Lauret, dass die
live-Übertragung der Wettfahrt in über 100 Länder einen wirtschaftlichen Schub
auslöst. Das passierte schon einmal vor 25 Jahren: 1996 war der Ort Etappenziel.
Damals ging es von Bordeaux über knapp 70 Kilometer im Kampf gegen die Uhr nach
Saint-Émilion.
Die Weinbruderschaft von Saint-Émilion hat vor, das 1999 zum
Welterbe erhobene Weinbaugebiet angemessen zu präsentieren. Ihr Präsident Jean-François Galhaud wird mit seiner Winzer-Gilde die Weinberge entlang
der Zeitfahrstrecke über Pomerol und Montagne ins Herz der Stadt in Topzustand
zeigen. Er wolle zeigen, dass „wir einfache Menschen sind, dass wir gerne
lachen, dass wir einfache Dinge mögen, dass die Tour de France sehr beliebt ist
und dass sie zu uns passt ... " (Text: kuhrhaus)
Der Etappenplan der 108. Tour de France
1. Etappe (26. Juni): Brest - Landerneau, 187 km
2. Etappe (27. Juni): Perros-Guirec - Mur-de-Bretagne, 182 km
3. Etappe (28. Juni): Lorient - Pontivy, 182 km
4. Etappe (29. Juni): Redon - Fougères, 152 km
5. Etappe (30. Juni): Change - Laval, 27 km (Einzelzeitfahren)
6. Etappe (1. Juli): Tours - Chateauroux, 144 km
7. Etappe (2. Juli): Vierzon - Le
Creusot, 248 km
8. Etappe: (3. Juli): Oyonnax - Le Grand-Bornand, 151 km
9. Etappe: (4. Juli): Cluses - Tignes, 145 km (Bergankunft)
10. Etappe: (6. Juli): Albertville - Valence, 186 km
11. Etappe: (7. Juli): Sorgues - Malaucene, 199 km
12. Etappe: (8. Juli):
Saint-Paul-Trois-Chateaux - Nimes, 161 km
13. Etappe: (9. Juli): Nimes - Carcassonne, 220 km
14. Etappe: (10. Juli): Carcassonne - Quillan, 184 km
15. Etappe: (11. Juli): Ceret - Andorre-la-Vieille, 192 km 16. Etappe: (13. Juli): Pas de la
Case - Saint-Gaudens, 169 km
17. Etappe: (14. Juli): Muret - Col du Portet, 178 km (Bergankunft)
18. Etappe: (15. Juli): Pau - Luz-Ardiden, 130 km (Bergankunft)
19. Etappe: (16. Juli): Mourenx - Libourne, 203 km
20. Etappe: (17. Juli): Libourne - Saint-Emilion, 31 km (Einzelzeitfahren)
21. Etappe: (18. Juli): Chatou - Paris
Champs-Elysees, 112 km.
Es ist ein Erholungsbiotop – ein Binnensee von 14 Hektar Größe mit einer kleinen Insel, eine reale
Fotos (6): H. Gentil-Weber
Postkartenidylle. Von Flaujagues ist der Lac, das französische Wort für See, ein Katzensprung bis hierher. Das gepflegte Gelände – See, Wald und Parkplätze – erstreckt sich auf 58 Hektar, das Gewässer säumt ein bemooster Rundweg für Spaziergänger und Jogger. Mit den Corona-Lockerungen ist am Lac wieder Leben eingezogen, die Sonnenhungrigen haben sich den Strand zurückgeholt.
Den Badestrand überzieht heller Sand, das Wasser ist klar. In den Sommermonaten sind von Mitte Juni bis Ende August Rettungsschwimmer vor Ort, sonst ist Baden auf eigenes Risiko angesagt. Ein ansprechender Sanitärbereich befindet sich in einem zentralen Blockhaus. Holz ist der umweltfreundliche Werkstoff für Klettergerüste, Kioske, Sonnenliegen, Tische und Bänke.
Nadelbäume schaffen schattige Abschnitte, wo Picknick-Gruppen vergnügt dinieren, Kinder selbstvergessen toben und Angler in einem ruhigen Winkel und mit stoischer Ruhe darauf warten, dass etwas anbeißt, was ihre Jagdlust befriedigt. Dabei zeigen sie ihren Söhnen – Angeln scheint in Frankreich ein männliches Hobby zu sein – wie man mit Geschick und viel Geduld zu einer Fischmahlzeit kommt. Oft reicht auch das nicht. Eher fangen sie sich im Eifer des „Gefechts“ einen Sonnenbrand ein.
Spielplätze für Kinder sowie Terrains für Feder- und Beachvolleyball helfen, den Bewegungsdrang abzubauen. Ein Strandbistro, an dem Französisch und Englisch gesprochen wird, ist von April bis Oktober geöffnet. Die gesamte Anlage wird für Behinderte empfohlen. 2013 hat das Departement Gironde das Badegewässer aufgepeppt und mit anderen Binnenseen zu einem Netzwerk von Naherholungszentren im südwestfranzösischen Hinterland des Atlantiks verknüpft. Zum Glück ist Flaujagues dem Lac de Gurson so nah, denn die Anlage ist reizvoll und nicht überlaufen.
Ihren Ursprung nahm das Badeparadies Mitte der 1960er Jahre als soziales Projekt. Ein angrenzender Grundbesitzer wollte einen See zur Erholung, zum Angeln und Baden für die Bewohner damaliger Bauernhöfe entwickeln. Aus jener Zeit stammt die Tradition, die Nutzung des Badesees bei freiem Eintritt zu gewährleisten. Dazu haben staatliche Investitionen beigetragen.
Nicht weit vom Lac ragt die Ruine der Burg Gurson aus dem 12. Jahrhundert empor, die im Zuge der Französischen Revolution verfallen ist und den Anwohnern lange als Quelle für Baumaterial diente. Heute stehen die bizarren Gemäuerreste unter Denkmalschutz. Zu ihren Füßen liegt ein kleines Weingut, das Château de Gurson. Von hier kommen gute, ehrliche Weine aller gängigen Couleur, die gern – en passant – die Besitzer wechseln. (kuhrhaus)
Von Flaujagues
nach 33250 Pauillac : 100 km, 90 min.
Thema des Medoc-Marathons
2025 ist "Das Meer"
Schräg, schräger,
Medoc-Marathon. Zum 39. Mal startet die wohl humorvollste Marathon-Elite am 6. September nahe Bordeaux zu einem Härtetest für Lauf-
und Lachmuskeln. Unter dem Jahresmotto "Das Meer" (La mer) ) sollte es kostümiert - so das Reglement - über einen Parcours vorbei
an Dutzenden Weltklasse-Weingütern gehen - mit Schirm, Charme und Weinbecher. Rund 20 Probiertheken für feinsten
Rebensaft sowie etwa 50 Animations- und Verpflegungspunkte mit Gourmet-Häppchen
und Musik machen die gut 42 Kilometer zu einem schwindelerregenden Gefühlsslalom.
Nicht umsonst hat dieser spezielle Marathon viele Beinamen – liebevolle wie
„Läufer-Karneval“, gehässige wie „Laufen und Saufen“ und humorvolle wie
„Promille-Marathon“.
Teilnehmerliste bereits ausgeschöpft
Der 1985 ins Leben gerufene Marathon ist mehr als ein nationales Event und
genießt in der Laufszene hohes Ansehen. Doch vor die Ehe von hartem Sport und leichtem Leben hat
Weingott Bacchus das Glück des Tüchtigen gesetzt. Anmelden und damit eine
Startnummer ergattern kann man sich immer erst ab Anfang März. Glück ist vonnöten,
denn die Anzahl der Starter bleibt auf 8500 begrenzt und die Anzahl der Bewerber
steigt von Jahr zu Jahr: regelmäßig über 16.000. Alle Hoffnungen konzentrieren sich auf die Warteliste, in die man sich noch eintragen kann. Vergeben werden die
Starterlaubnisse nach dem Windhundprinzip: Wer die Nase vorn hat, kann starten. Dazu
ist ein aktuelles Gesundheitszeugnis vorzulegen und man muss mindestens 20 Jahre alt sein. Die Startgebühr betrug aktuell: 100 Euro.
Nähere Informationen gibt die Homepage des Medoc-Marathon-Vereins.
Im Pulk mit Darth
Vader und Obelix
Der
Medoc-Marathon gibt sich jedes Jahr ein Motto für die „Kleiderordnung“. Aktuell
lautet es frei übersetzt „Das Meer“ (La mer). Etwa 90
Prozent der Läufer verkleiden sich, so dass der Wettbewerb auch ein Fest der
Fantasie ist: Darth Vader und Skywalker, Superman und Superwoman, Asterix und Obelix,
Winnie Puuh, Clowns, Königinnen, Wikinger, Dinos, ja selbst Quietschenten… sie und viele, viele andere Gestalten finden
sich im Pulk der Läufer. Ihn verfolgen mehr als 50.000 Schaulustige.
Der „Besen-Trupp“
greift durch
Obwohl die
kulinarischen Ablenkungen – es werden Käse, Austern, Steaks, Trauben, Eis und mehr angeboten
- reichlich und verführerisch sind, sind doch die Leistungen beachtlich.
Um die 90 Prozent der Starter beenden den Marathon im vorgeschriebenen Zeitrahmen. 9.30 Uhr ist auch
dieses Jahr Start, für die ganze Distanz haben die Läufer maximal 6:30 Stunden
Zeit. Wer also nach 16 Uhr die Ziellinie überquert, geht ohne Urkunde und
Weinflasche nach Hause. Getrieben wird das Teilnehmerfeld vom „Besen-Trupp“,
der die Mindestgeschwindigkeit vorgibt. Wer schon zur halben Strecke hinter ihm
liegt, wird gnadenlos disqualifiziert.
Eigengewicht in
Wein für Sieger
Für die zwei Schnellsten
- Frau und Mann - winken als Siegprämie Spitzenweine, die mit dem eigenen
Körpergewicht aufgewogen werden. 2024 waren es die Franzosen Freddy
Guimard(2:28:46) und Camille Thire-Monnier (2:55:52). Den Streckenrekord hält seit 1992 der
Russe Sascha Lotow: 2:19:20. Ob da unterwegs noch Zeit für einen Schluck Wein
war? Wer weiß. (kuhrhaus)