Montag, 3. Januar 2022

Flaujagues – ein überraschend ausgeschlafener Ferienort

Flaujagues ist ein überraschend ausgeschlafener Ort am Ufer der Dordogne. Mit gut 600 Einwohnern, darunter Engländer, Amerikaner, Deutsche und Niederländer, ist er ein fast normales französisches Dorf. Doch Flaujagues wächst stetig gegen den Trend seit Mitte der 1970er Jahre, als es noch 418 Seelen zählte.
Copyright: kuhrhaus (3: 2 oben, 1 u.li.), Wappen: Wikipedia/Gaalad de
Nelly (CC BY 3.0), C. Delburg (u.re.)
Das nette Dorf gehört heute zum Speckgürtel von Bordeaux. Nachdem dort bezahlbarer Wohnraum knapp wurde, wohnen Studenten und Mitarbeiter der Universität, Eventmanager, Kulturschaffende und Angestellte in Flaujagues. Eine Bahnlinie in der Nähe hilft, in der Rushhour die Staus vor und in Bordeaux zu umfahren.


Fast schon exotisch: Urlaub am Nullmeridian 

Flaujagues‘ Territorium berührt den Nullmeridian. Ein Leben am Nullpunkt führen seine Weinbauern, Kellermeister, Handwerker, Dienstleister, Lehrer und Rentner nicht. Es geht ruhig zu. Zu ruhig, meinte vor zwei Jahren eine Initiativgruppe und gründete den Verein „La Flaujaguaise“ zur Auffrischung des Dorflebens. Heute zählt er über 100 Mitglieder, ich bin eins davon. Der frische Wind ist spürbar. Mehr bürgerschaftliches Engagement, mehr Selbstbewusstsein – auch gegenüber dem im Juni neu gewählten Gemeinderat und seiner neuer Bürgermeisterin.

Restaurant und Baguette-Service inklusive

So gelang es, das Restaurant in der Ortsmitte wiederzueröffnen. Das ist anderhalb Jahre her, und auch trotz Corona ist es weiterhin ratsam im „Le P’tit Flaujaguais“ zu reservieren. So gut ist seine Küche, so nett seine Macher. Seit Mitte September komplettiert eine kleine Café-Bar mit Baguette-Service die Nahversorgung. Bio-Produzenten am Ort liefern Gemüse und Obst. Örtliche Winzer dominieren mit ihren Weinen die Getränkekarte.
Flaujagues steht auf altem Nutzland. Niemand vermag zu sagen, wann und woher die ersten Siedler kamen. Ortschronisten schließen nicht aus, dass auf dem heutigen Territorium ein römisches Dorf existierte. In alten Quellen zu Flaujagues gibt es Hinweise auf eine Furt in der für Wein, Weizen und Weidevieh fruchtbaren Flussaue der Dordogne. Die Furt war weithin bekannt und gut frequentiert: von Nutztieren, Lastkarren, Pilgern - und Armeen.

Alles fließt - nicht nur die Dordogne

Ein Landschloss am Ufer der Dordogne – Château de Clos Foucaud, ein gerade stilvoll renovierter Bau aus dem 16. und 17. Jahrhundert – gehört zum Ortsbild von Flaujagues wie die Weinkooperative „Les Guinots“, zwei winzige Kirchen, eine kleine Schule mit Vorschulklasse für Drei- bis Sechsjährige und einer Grundschule für Kinder aus umliegenden Orten. Kanuten legen gern am kleinen Hafen an oder ab. Die Mehrzahl der Gebäude im Ortskern sind wie die beiden „Kuhrhäuser“ respektable Natursteinbauten.
Es gibt keine Industrie, nur ein Startup. Junge Enthusiasten züchten Blaualgen und stellen daraus ein Nahrungsergänzungsmittel (Spirulina) her. „La Spiruline de Julie“, so der Firmenname, bietet als Hit im Werksverkauf eine Schokolade mit den gesunden Mikroalgen an. Sie steht – schenkt man Facebook Glauben - bei gesundheitsbewussten Naschmäulern hoch im Kurs.

Lust an Freizeit statt Last durch Arbeit

Und die Dordogne? Sie trug Jahrtausende lang geduldig jede Last – anfangs waren Flöße, später hölzerne Lastkähne und im 19. Jahrhundert Dampfschiffe für den Warenverkehr von und nach Bordeaux zuständig. Die Eisenbahn schickte den Fluss in die wohlverdiente Rente und beendete seine Ära als Transportweg. Heute ist die Dordogne willkommener Partner für den Tourismus - zum Baden, Surfen, Angeln und Paddeln. Ihr ab Flaujagues breites, flaches und langgestrecktes Tal gilt als Eldorado unter Radfahrern.(kuhrhaus)

Sonntag, 6. Dezember 2020

Tour de France 2021 - Entscheidung vor der Haustür

Etappenziele Libourne und Saint Émilion sind nahe Flaujagues

Entfernung von 33350 Flaujagues nach 33500 Libourne – 26 km und nach 33330 Saint-Émilion 19 km

Die Hoffnungen sind in Südwestfrankreich groß, dass im kommenden Jahr die Tour de France pünktlich zum Sommerbeginn starten kann. Los geht es am 26. Juni in Brest, der Lorbeerkranz für den Tour-Sieger wird am 18. Juli in Paris übergeben. Dann haben die Fahrer 3383 Kilometer in den Beinen. Das letzte Viertel der Strecke führt die 108. Auflage des Profi-Radrennens durch den Südwesten – eingeschlossen ein Abstecher nach Andorra. Spannend ist: Die entscheidenden Etappen vor dem Finale in Paris werden unmittelbar vor der Haustür von Flaujagues ausgetragen.

Von den 21 Etappen führt die 19. Etappe am 16. Juli von Mourenx quer durch die flache Gascogne nach Libourne vor den Toren von Bordeaux. Auf der 203 Kilometer langen Strecke werden nach der Quälerei in den Pyrenäen Ausreißversuche erwartet. Einen Tag später steigt die Spannung weiter: Die vorletzte Etappe am 17. Juli ist ein Einzelzeitfahren über 31 Kilometer von Libourne nach Saint-Émilion. Bei der Tour 2020 wurde bei einer ähnlichen Konstellation der sicher geglaubte Toursieger noch entthront.

Darauf verweist der Generaldirektor der Tour de France, Christian Prud‘homme: Dieses Kleinod berühmter Weinberge werde die sportliche Leistung verstärken, kommentierte er die Streckenführung. „Zeitfahren am Ende der Tour haben die Angewohnheit, über die endgültige Vergabe des Gelben Trikots zu entschieden.“

20. Etappe: Fällt in Saint-Émilion die Vorentscheidung für den Tour-Sieg?

In Libourne und in Saint-Émilion sind der Jubel und die Hoffnung ungebrochen groß. Elf Jahre hatte die Tour einen Bogen um die Gironde gemacht. Libournes Stadtoberhaupt Philippe Buisson war überrascht, dass seine Stadt mit 25.000 Einwohnern das über zehn Mal größere Bordeaux ausgestochen hat. Dem hat das Tour-Management für 2022 eine Offerte in Aussicht gestellt. Alles Zukunftsmusik.

Libourne plant ein ausgelassenes Volksfest, wenn es die Rahmenbedingungen durch Corona zulassen. In Saint-Émilion, Hochburg der französischen Bordeaux-Weine, hofft Bürgermeister Bernard Lauret, dass die live-Übertragung der Wettfahrt in über 100 Länder einen wirtschaftlichen Schub auslöst. Das passierte schon einmal vor 25 Jahren: 1996 war der Ort Etappenziel. Damals ging es von Bordeaux über knapp 70 Kilometer im Kampf gegen die Uhr nach Saint-Émilion.

Die Weinbruderschaft von Saint-Émilion hat vor, das 1999 zum Welterbe erhobene Weinbaugebiet angemessen zu präsentieren. Ihr Präsident Jean-François Galhaud wird mit seiner Winzer-Gilde die Weinberge entlang der Zeitfahrstrecke über Pomerol und Montagne ins Herz der Stadt in Topzustand zeigen. Er wolle zeigen, dass „wir einfache Menschen sind, dass wir gerne lachen, dass wir einfache Dinge mögen, dass die Tour de France sehr beliebt ist und dass sie zu uns passt ... " (Text: kuhrhaus)

Der Etappenplan der 108. Tour de France

1. Etappe (26. Juni): Brest - Landerneau, 187 km
2. Etappe (27. Juni): Perros-Guirec - Mur-de-Bretagne, 182 km
3. Etappe (28. Juni): Lorient - Pontivy, 182 km
4. Etappe (29. Juni): Redon - Fougères, 152 km
5. Etappe (30. Juni): Change - Laval, 27 km (Einzelzeitfahren)
6. Etappe (1. Juli): Tours - Chateauroux, 144 km
7. Etappe (2. Juli): Vierzon - Le Creusot, 248 km
8. Etappe: (3. Juli): Oyonnax - Le Grand-Bornand, 151 km
9.
Etappe: (4. Juli): Cluses - Tignes, 145 km (Bergankunft)
10. Etappe: (6. Juli): Albertville - Valence, 186 km
11. Etappe: (7. Juli): Sorgues - Malaucene, 199 km
12. Etappe: (8. Juli): Saint-Paul-Trois-Chateaux - Nimes, 161 km
13. Etappe: (9. Juli): Nimes - Carcassonne, 220 km
14. Etappe: (10. Juli): Carcassonne - Quillan, 184 km
15. Etappe: (11. Juli): Ceret - Andorre-la-Vieille, 192 km

16. Etappe: (13. Juli): Pas de la Case - Saint-Gaudens, 169 km
17.
Etappe: (14. Juli): Muret - Col du Portet, 178 km (Bergankunft)
18. Etappe: (15. Juli): Pau - Luz-Ardiden, 130 km (Bergankunft)
19. Etappe: (16. Juli): Mourenx - Libourne, 203 km
20. Etappe: (17. Juli): Libourne - Saint-Emilion, 31 km (Einzelzeitfahren)
21. Etappe: (18. Juli): Chatou - Paris Champs-Elysees, 112 km.

 

Dienstag, 15. September 2020

Saint Émilion – Nabel der Weinwelt liegt im Südwesten

Weinlese startet ohne Volksfest

Von Flaujagues nach Saint Émilion: 19 Kilometer, 25 Minuten

Hier geht's zur in den Fels
gehauenen Kirche; darüber
erhöht sich der gewaltige
Glockenturm.

Das südwestfranzösische Saint Émilion fällt als Hauptstadt etwas aus dem Rahmen. Hauptstädte sind oft Millionenstädte mit Wolkenkratzern, riesigen Stadien und Theatern. Damit kann der 1900-Einwohner-Ort Saint Émilion 30 Kilometer vor den Toren von Bordeaux nicht aufwarten. Sein Aushängeschild sind Weine der Superlative. Die Unesco krönte 1999 den Ort mit dem ersten Welterbetitel für ein Weinbaugebiet. Hier geht’s zum Stadtplan.

Die aktuelle Ernte läuft gerade an. 2020 muss sie wegen Corona ohne die überlieferte Zeremonie der Weinbruderschaft (Jurade) für die traditionelle Genehmigung und Segnung der Weinlese auskommen. Doch dem Wein geht es gut. Der heiße, trockene Sommer nährt erneut die Hoffnung auf einen Jahrgang großer Weine.

800 Weingüter drängen sich auf engstem Raum

Saint Émilion ist gut 1000 Jahre alt und gilt seit Langem als Hauptstadt der Bordeaux-Weine höchster Güte, die sich mit dem Siegel „Grand Cru Classé“ schmücken. Weinliebhaber weltweit schauen auf das uralte Anbaugebiet, auf dem sich heute 800 Weingüter („Chateau“) auf 7850 Hektar tummeln. Sie teilen sich die Appellationen „Saint Émilion“ und „Saint Émilion Grand Cru“.

Üblicherweise wird die Weinlese am dritten Samstag im September in einem volksfestartigen Akt von

Auf 7850 Hektar Land wächst das purpurote Gold: die Spitzenweine
von Saint Émilion.
der Jurade eröffnet. Diese Körperschaft hat ihre Wurzeln in einem aus der englischen Herrschaftszeit des Mittelalters herrührenden Stadtrat. Er durfte die Region selbst verwalten und er durfte Recht sprechen. In der Neuzeit erlebte die Jurade von Saint Émilion eine Renaissance als einflussreiches Organ von Wächtern über den Wein und seine Qualität. Die 54 Frauen und Männer in roten Roben, die ihre Vorbilder in der Amtstracht von Richtern jener fernen Anfangsjahre haben, geben traditionell mit dem Segensspruch „Bon vendange“ und einem „Halleluja“ den Startschuss zur Ernte. Danach ziehen sie im Fackelschein durch die Altstadt, bevor es Feuerwerk, Straßenmusik und Wein gab. Nur 2020 nicht.

Wenn das Kopfsteinpflaster erzählt...

Den Weinbau haben die Römer in diese fruchtbare Region Aquitaniens gebracht. Er machte sich schon im Mittelalter einen Namen und intensivierte sich mit der wachsenden Wein-Nachfrage vor allem aus England. Ein Überbleibsel dessen sei das holprige Kopfsteinpflaster in der Stadt, sagt man. Diese Brocken sollen aus zurückkehrenden leeren Wein-Schiffen stammen. Dort bildeten sie die Tariermasse in den Rümpfen der Kähne.

Namensgeber für den weinseligen Ort war ein wunder- und wohltätiger Mönch aus der Bretagne mit dem Namen Émilion. Ihn hatte es der Legende nach vor gut 1000 Jahren nach Ascumbas – so hieß Saint Émilion in jener Ära – verschlagen, wo er ansässig und bald als Heiliger verehrt wurde.

Das Kloster von Saint Émilion.
Seine vermeintliche Einsiedelei ist bei einem Besuch in der unterirdischen, monolithischen Kirche mitten in der Stadt zu besichtigen. Der ungewöhnliche Bau gehört zum Weltkulturerbe und wurde im 12. Jahrhundert aus dem Sandsteinfels geschlagen. Acht mächtige Säulen von elf Metern Höhe tragen das Kirchenschiff. Überirdisch erhebt sich auf der Kirche ein weithin sichtbarer Glockenturm. Da die privaten Betreiber – ein Ergebnis der Französischen Revolution – keine privaten Fotos zulassen, bietet Youtube einen Blick ins Innere und dazu mit einem Mitglied der Jurade. 

 

Eine Million Besucher pilgern pro Jahr zum Wein
Pilger auf dem Jakobsweg
durchqueren die Stadt.

Etwa eine Million Besucher zählt Saint Émilion jährlich. Die meisten kommen wegen des Weins, doch der Ort profitiert auch von seiner Lage auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela. Das Tourismusbüro bietet einen deutschsprachigen Auftritt. Das Panorama der Stadt aus weltlichen und kirchlichen Bauten ist beeindruckend und inspirierte die Macher des Videospiels „Vagrant Story“, die ihre Silhouette integrierten.

Weinliebhaber finden im „Maison du Vin“ (Haus des Weins) gleich um die Ecke beimTourismusbüro
das umfangreichste Angebot lokaler Chateaus. Angeboten werden zudem Verkostungen. Individueller geht es in den vielen Weinboutiquen in den Gassen zu. Die Restaurants am Ort bieten zwischen Bistroniveau und gehobener Sternegastronomie alle Gaumenfreuden. (Text und Fotos: kuhrhaus)

Mittwoch, 5. August 2020

Halbinsel Cap Ferret – Goldstück an der Silberküste

Von Flaujagues bis Cap-Ferret 115 km, 1:45 Stunde

Bis an die äußerste Spitze der Landzunge: 132 Kilometer, 2 Stunden

Die Côte d’Argent – die Silberküste am Atlantik hinter Bordeaux bis weit in den Süden – schmücken manche Edelsteine. Einer der schönsten ist das alte Fischerdorf Cap Ferret. Der kleine Ort auf einer langgestreckten Landzunge oberhalb des Beckens von Arcachon ist für Tagesausflüge ein ideales Ziel. Selbst wer regelmäßig hier „anlegt“, merkt, es wird nie langweilig: Cap Ferret ist immer gleich und immer anders. Hier gibt es sie noch, die romantischen Ecken, den 60 Meter hohen Leuchtturm mit Aussichtsplattform, Geschäfte und Cafés und es gibt die urwüchsige Natur.

Die raue See des Atlantiks im Golf von Biskaya arbeitet unablässig an diesem Flecken Erde, als wenn sich das Meer noch nicht über die endgültige Gestalt der Halbinsel schlüssig wäre. Die Dünenlandschaft, die erst vor 3000 Jahren entstand, schiebt sich zwischen Ozean und das malerische Becken von Arcachon. Meer und Wind halten den Sand in Bewegung – sie spülen ihn trotz Wellenbrecher an oder – wie jüngst – tragen sie ihn bis an die Uferböschungen ab. Garniert wird das neue Landschaftsdesign mit dem Treibgut aller Zeiten. Etwas Besonderes ist der Sand: Er ist durchsetzt mit feinsten Partikeln pulverisierter Perlmuttmuscheln, was den Strand in der Abendsonne silbern schimmern lässt und für den Namen Côte d’Argent sorgte. Am Ufer vis-à-vis vom Cap türmt sich aus diesem „Stoff“ Europas höchste Wanderdüne auf. Die „Dune de Pilat“ erreicht eine Höhe von bis zu 110 Meter und ist mehrere Kilometer lang.

Cap Ferret ist der perfekte Ort zum Entspannen: Seele baumeln lassen, baden, wandern am schier endlosen Strand, angeln oder Angler beobachten, surfen oder Surfern zuschauen, Muscheln und Schwemmholz sammeln – am liebsten fantasievoll verformte Weinrebstöcke – sowie schlemmen in vielen kleinen Strandrestaurationen bei frischen Austern, Meeresfrüchten und Wein.

Auf einem Strandabschnitt gen Norden finden sich viele ehemalige Bunker des alten Atlantikwalls der deutschen Wehrmacht. Meer, Wasser und Wind haben sie wie überdimensionale Bauklötze durcheinandergewürfelt. Zuletzt dienten die glatten Betonflächen Sprayern nur noch als Großprojektionsflächen. Die beiden Winter 2017/2018 und 2018/2019 versenkten das gros der Betonklötze, so dass mitunter nur noch ihre Dachflächen aus dem Ufersand ragen. Zu solchen Spaziergängen sollten immer eine paar Flaschen Wasser und eine starke Sonnenschutzcreme im Wanderrucksack sein.







Das Kontrastprogramm zum urigen Atlantik ist das ruhigere Becken von Arcachon. Es ist Naherholungszentrum für die Einwohner von Bordeaux. Die Autobahn in dieses Paradies ist deshalb mautfreit. Boote bieten Rundfahrten in der 155 Quadratkilometer großen Bucht – vorbei an einer großen Vogelinsel, ein geschütztes Eldorado für Wandervögel. Die Pfahlbauten sind nur noch Kulisse, früher boten sie Fischern Obdach. Vor gut 150 Jahren nahm die Muschelzucht einen enormen Aufschwung. Austernbänke tauchen bei jeder Ebbe aus dem Nass auf, um bei Flut erneut zu verschwinden.

Der Appetit kommt bei einer Strandwanderung in würziger Salzluft von ganz allein. Eine liebevoll-chaotische Erlebnisgastronomie hat sich im nahen Ortsteil L’Herbe etabliert. Sie ist in einem urigen Uferviertel in die Holzhütten der Austernfischer eingezogen. Die Gäste sitzen auf überdachten Terrassen an rustikalen Tischen. Sie können Badegästen und Fischern zuschauen und dabei Austern und andere Meeresfrüchte bei einem Glas gut gekühlten Weißwein verzehren.

Übrigens: Der Name Cap Ferret kommt aus der gaskognischen Sprache und bedeutet „eiserne Spitze“. Diese regionale Sprache gibt es bis heute. Einer ihrer berühmtesten Sprecher war der legendäre Musketier d’Artagnan. Der reale Haudegen stammte aus der Region Gascogne in Südwestfrankreich, wo sein väterliches Mini-Schloss Castelmore bis heute existiert. (Text und Fotos: kuhrhaus)